Die Erkundung der Milchstraße in Elite Dangerous

Veröffentlicht: 20. Mai 2020 (Zuletzt geändert am 29. August 2022)
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Elite Dangerous ist ein Weltraum-Sandbox Spiel, das alle ca. 300 Milliarden Sterne der Milchstraße nach wissenschaftlichen Vorgaben prozedural generiert und damit besuch- und erkundbar macht. In diesem unglaublich großen Spielbereich kann man sich mit verschiedenen Raumschiffen frei bewegen, erkunden oder NPCs abschießen.

Die Sandbox

In Asteroidenringen kann man Elemente abbauen, Piraten jagen oder einfach das Manövrieren durch die Gesteinsbrocken üben.Vergrößern
In Asteroidenringen kann man Elemente abbauen, Piraten jagen oder einfach das Manövrieren durch die Gesteinsbrocken üben.

Man startet mit einem sehr kleinen Raumschiff und arbeitet sich anfänglich durch das Absolvieren von prozedural generierten Missionen und Handel zu den nächst größeren Raumschiffen vor. Währenddessen lernt und optimiert man die Steuerung um sein Raumschiff sicher von einer Raumstation zur nächsten zu fliegen. Zwischendurch probiert man vielleicht noch andere Aktivitäten wie Kampfeinsätze, Kopfgeldjagden, Bergbau oder Erkundung aus. Und … ja, das ist im Wesentlichen alles was das Spiel vorgibt. Hier liegt auch die größte Schwäche des Spiels, denn es gibt keinerlei spezifische Handlung oder irgendeine besondere Inszenierung abseits von lesbaren (oder vorlesbaren) Nachrichten. Es ist eben eine Sandbox. Dem Spieler wird eine Welt und eine Reihe von Mechaniken gegeben. Was man damit allerdings anstellt und wo genau man seinen Spielspaß findet, liegt individuell beim Spieler selbst.

Dieser Planet ist sehr nah an einem roten Zwerg. Auf solchen Planeten kann man Geysire mit flüssigem Schwefel und jede Menge Materialien zum Abbauen finden.Vergrößern
Dieser Planet ist sehr nah an einem roten Zwerg. Auf solchen Planeten kann man Geysire mit flüssigem Schwefel und jede Menge Materialien zum Abbauen finden.

Das Spiel erklärt nur sehr wenig. Allein schon das Anpassen und Erlernen der Steuerung des Raumschiffs ist eine Qual. Im Weltraum kann man ein Objekt vollkommen frei in alle 3 Achsen bewegen und auch um all diese 3 Achsen rotieren. Zusätzlich muss man Energie zwischen Antrieb, Schild und Waffen aufteilen sowie Waffen auswählen und bedienen. Zusätzlich kommen eine Reihe von Befehlen für diverse Subsysteme des Raumschiffes, die Navigation, die Kommunikation usw. dazu – auf einer Tastatur wird es da schon eng mit der Belegung. Ich empfehle hier klar einen Joystick und eine Schubkontrolle. Zumindest kam ich damit deutlich schneller und präziser zurecht als mit Maus und Tastatur.

Die Rolle des Spielers

Angenommen die Steuerung hat man erlernt und man hat alle Tutorial-Übungen absolviert. Was kann man denn in dieser Sandbox von 300 Milliarden Sternsystemen anstellen? Wie schon erwähnt gibt es eine Reihe von prozedural generierten Missionen. Jedes Sternsystem kann in verschiedenen Zuständen sein, die über eine Reihe von Spieleraktionen beeinflusst werden können und nach der sich die verfügbaren Missionen richten. Die Sternsysteme werden von (ebenfalls prozedural generierten) Fraktionen und Organisationen verwaltet und bevölkert. Jede Fraktion hat verschiedene Ziele und Bedürfnisse. Unterstützt man eine bestimmte Fraktion, kann sich diese ausbreiten wollen oder sie läuft in einen Konflikt mit anderen Fraktionen. Handel führt zu Reichtum und Wachstum, kein Handel zu Hungersnöten und Schwarzmärkten. Die Bedürfnisse der Fraktionen ändern sich und so auch die verfügbaren Missionen, die die Fraktionen ausgeben.

Klingt erstmal gut, oder? Tatsächlich ändert sich für den Spieler selbst nicht viel. Es beschränkt sich immer auf die gleichen Tätigkeiten im anderen Kontext:

Die Darstellung der Sterne und dem Licht, das diese ausstrahlen ist wirklich gut gelungen. Hier betrachte ich den Sonnenaufgang aus dem Cockpit, während im Vordergrund eine Struktur der Guardians zu sehen ist.Vergrößern
Die Darstellung der Sterne und dem Licht, das diese ausstrahlen ist wirklich gut gelungen. Hier betrachte ich den Sonnenaufgang aus dem Cockpit, während im Vordergrund eine Struktur der Guardians zu sehen ist.
  • Missionen annehmen und ausführen (Such- und Bringaufträge von Daten, Waren und Personen, Tötungsaufträge usw.) .
  • Waren zwischen orbitalen Stationen und/oder planetaren Stationen transportieren (Handel).
  • Piraten jagen und Kopfgelder sammeln.
  • Selbst illegale Aktivitäten durchführen (Raub, Mord, Schmuggel).
  • Erkunden der Spielwelt.

Die Handlungen des Spielers spielen dabei theoretisch immer eine Rolle. Praktisch jedoch ist der Spieler eben nur eins: Einer von vielen unbedeutenden Raumschiffspiloten. Und genau so ist es richtig! Endlich ein Spiel in dem sich nicht alles um den Spieler dreht, sondern er nur Teil der Welt ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Überspitzt könnte man sagen, man wiederholt Missionen, Handelsrouten usw. mit nur einem Ziel: Mehr Geld anhäufen, das man in bessere Raumschiffe und bessere Ausrüstung investiert sowie grinden von mehr Rufpunkte und seltenen Materialien um Zugang zu neuen Technologien zu erhalten. Und das macht man, eben so lang man es aushalten kann.

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Beispiel für das grandiose Sounddesign bei der Sprengung eines Asteroiden zur Gewinnung von seltenen Materialien.

Faszination Weltraum

In einem Update 2019 wurden die Möglichkeiten beim Abbau in Asteroidenfeldern dahingehend erweitert, dass diese nun gesprengt werden können. Die visuelle und akustische Präsentation der Explosion ist erstklassig!Vergrößern
In einem Update 2019 wurden die Möglichkeiten beim Abbau in Asteroidenfeldern dahingehend erweitert, dass diese nun gesprengt werden können. Die visuelle und akustische Präsentation der Explosion ist erstklassig!

Der entscheidende Punkt ist, dass man Elite Dangerous so nicht spielen sollte. An einem Punkt habe ich das Grinden und schnelle Geld scheffeln bewusst einfach mal bewusst beiseite gelegt und andere Sachen ausprobiert – auch schon mit den kleineren Raumschiffen. Wenn man ein wenig mehr auf die Spielwelt achtet merkt man schnell, dass diese einfach fantastisch ist. Ich habe das Spiel hauptsächlich als Händler und Erkunder gespielt und Kämpfe nur für größere Community-Missionen bestritten. Meine erste lange Erkundungsexpedition jedoch bleibt mir im Gedächtnis, einfach weil man die Einsamkeit des Weltraums und auf Planten genauso intensiv spürt, wie die Erleichterung bei Sichtkontakt mit einem NPC-Raumschiff nach Ende der zwei Wochen langen Expedition. Genauso spürt man die Ehrfurcht vor Neutronensternen, schwarzen Löchern und Pulsaren. Die Darstellung dieser Objekte ist, mit kleineren Abstrichen bei schwarzen Löchern, sehr gut gelungen und für mich mit Interesse an Astronomie einfach faszinierend. Auch hier spürt man als Spieler wieder, dass man nur ein kleiner Teil der Welt ist und nicht deren Mittelpunkt. Nebenbei erhält man beim Erkunden sogar Geld, denn die Fraktionen zahlen für kleine und große Entdeckungen teilweise gute Summen. Entdeckt man beispielsweise mehrere erdähnliche Planten, schafft es dann zurück auf eine Station und verkauft diese Daten, ist ein neues Raumschiff fast schon bezahlt.

Weiße Zwerge und Pulsare (bzw. allgemein Neutronensterne) sind eindrucksvoll aber gleichzeitig sehr gefährlich. Die kleinen Objekte haben eine hohe Gravitationswirkung und im rotierenden Jet sollte man sich nicht aufhalten.Vergrößern
Weiße Zwerge und Pulsare (bzw. allgemein Neutronensterne) sind eindrucksvoll aber gleichzeitig sehr gefährlich. Die kleinen Objekte haben eine hohe Gravitationswirkung und im rotierenden Jet sollte man sich nicht aufhalten.

Man würde vermuten, es ist ja schon alles erkundet, da das Spiel schon seit 16. Dezember 2014 spielbar ist. Tatsächlich ist die Zahl von 300 Milliarden Systemen so groß, dass Stand Mai 2020 erst 0,013093% der Spielwelt erforscht wurden. Und tatsächlich kann ich das bestätigen. Auf meiner ersten Expedition stieß ich nur ca. 10 Sprünge von besiedeltem Gebiet auf unentdeckte Planeten und Sterne, noch 15 Sprünge weiter dann auch auf erdähnliche Welten. Mittlerweile gibt es im Spiel auch Phänomene, Weltraumstürme usw. die das Erkunden noch mal interessanter und vielleicht auch ein wenig zu aufregend machen.

Auf vielen Planeten, die man findet und scannt, kann man tatsächlich auch landen und dann mit einem Buggy-ähnlichen Rover herumfahren. Leider funktioniert das derzeit nur auf Planeten ohne Atmosphäre. Man sieht also nur leere, weite Wüsten aus Sand und Gestein und keine Meere, Flora oder gar Fauna. So ist es eben, langweilig und einsam aber gleichzeitig realistisch und faszinierend.

Eine der Schwächen des Spiels ist die Darstellung von schwarzen Löchern. Die Verzerrungseffekte sind zwar wirklich eindrucksvoll, aber es wird einfach nicht eindrucksvoll und gefährlich genug.Vergrößern
Eine der Schwächen des Spiels ist die Darstellung von schwarzen Löchern. Die Verzerrungseffekte sind zwar wirklich eindrucksvoll, aber es wirkt einfach nicht eindrucksvoll und gefährlich genug.

Zuletzt noch einen Punkt, der mich ein wenig zum Nachdenken gebracht hat. Als ich mit dem Spiel anfing, wollte ich natürlich unser Sternsystem Sol besuchen und mir jeden Planeten allen voran natürlich die Erde anschauen. Leider muss man erst ein wenig spielen, bevor man den Zugang zu Sol erhält. Und als es dann bei mir soweit war, hatte ich tatsächlich gar nicht mehr so viel Interesse daran. Ich hatte schon so viele andere Sterne und Planeten gesehen – die Erde ist nicht viel anders. Witziger fand ich dann eher, dass man die Voyager-Sonden genau an den Stellen im Spiel finden kann, wo sie in ca. 1000 Jahren sein müssten.

Faszination Raumschiff

Die zweite Faszination die das Spiel neben der Spielwelt bietet, sind die Raumschiffe selbst. Man startet in einem kleinen Raumschiff etwa von der Größe eines Einfamilienhauses und kann sich bis zur etwa Korvette von der Größe eines Wolkenkratzers hoch arbeiten. Diese hat dann nicht nur mehr Schilde, Panzerung und Waffen sondern kann auch Jäger starten. Diese sind teilweise auch wichtig, denn je größer ein Raumschiff, desto langsamer und desto anfälliger für kleine und schnelle Jäger.

Jedes Schiff kann individuell ausgerüstet werden, je nachdem für was man es einsetzen will. Mehr Raum für Waren? Mehr Waffen und Schilde für den Kampf? Vieles ist möglich und man kann sehr viel Zeit mit dem Erspielen der optimalen Ausrüstung verbringen. Dort liegt aber auch viel Spielspaß, denn die Schiffe sind de-facto wie Rollenspielcharakter. Die Raumschiffe eines Elite Dangerous erreichen zwar nicht die Qualität eines kommenden Star Citizen, aber verstecken müssen sich diese auch nicht. Am Besten ist die Simulation jeder Schubdüse des Raumschiffes. Diese sind rund um das Schiff angebracht und zeigen physikalisch korrekt, wie die Steuermanöver des Piloten umgesetzt werden.

Seit Mai 2020 ist auch das Befehligen von kleinen Raumstationen möglich, allerdings kann man diese nicht frei und nicht selbst bewegen. Da die Fleet Carrier unglaublich teuer sind, konnte ich diese noch nicht selbst ausprobieren.

Aliens

Etwa 2000 Lichtjahre von Sol findet man mehrere Ruinen einer alten fortschrittlichen Zivilisation, den Guardians. Dort kann man alte Technologie bergen, die insbesondere gegen die Thargoiden hilfreich ist.Vergrößern
Etwa 2000 Lichtjahre von Sol findet man mehrere Ruinen einer alten fortschrittlichen Zivilisation, den Guardians. Dort kann man alte Technologie bergen, die insbesondere gegen die Thargoiden hilfreich ist.

In der Welt von Elite Dangerous gibt es neben den Menschen noch eine weitere Spezies, die Raumfahrt betreibt. Die Thargoiden sind eine insektenähnliche Spezies, die biotechnische Raumschiffe besitzt und vermutlich in der Lage ist, sich frei im Hyperraum zu bewegen. Dies ist der Raum, der in Elite Dangerous betreten wird um in wenigen Sekunden zwischen Sternen zu reisen. Oft sind diese feindlich, wenn Sie sich bedroht fühlen und so etwas wie das Endgame des Spiels. Die Thargoiden gibt es vermutlich schon sehr lange, denn man kann im Spiel Ruinen einer technisch überlegenen aber ausgestorbenen Spezies, den Guardians, finden. Diese haben auch schon gegen Thargoiden gekämpft und liefern im Spiel neue Technologie für Waffen und Schilde gegen die biotechnischen Raumschiffe. Meine erste Begegnung mit einem Thargoiden war verdammt furchteinflößend, so gut ist das Sounddesign und die Immersion gelungen.

Sound und Immersion

Eine weitere große Stärke neben der Grafik ist das Sounddesign. Die Geräusche, die die Raumschiffe bei Ein- und Austritt aus dem Hyperraum abgeben, werden einfach nie langweilig. Die Klangkulisse neben verschiedenen Sternen, auf den Stationen und Planeten oder in der Nähe der Thargoiden ist grandios. Die Explosion eines Asteroiden durch seismische Sprengladungen und die Druckwelle danach ist nur ein weiteres Highlight der grandiosen Immersion, die das Spiel bietet.

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Eine Präsentation von Sr. Audio Designer Matthew Florianz zum Sounddesign von Elite-Dangerous.

Ein klares Highlight ist auch die Unterstützung von Virtual-Reality Headsets (VR). Damit sitzt man in seinem Bürostuhl blieckt aber durch den Helm des Piloten im Cockpit inklusive korrekten Größenverhältnissen. Zusammen mit einem Joystick sowie Schubregler ist das Spiel unglaublich immersiv und die oben genannten Gefühle beim Erkunden der Spielwelt oder bei Begegnungen mit den Thargoiden werden weiter verstärkt.

Fazit

In Elite Dangerous ist man als Spieler in der Galaxie unbedeutend. Man steht niemals im Mittelpunkt und das macht das Spiel so ungewöhnlich. Die Atmosphäre des Spiels ist durch das grandiose Sounddesign, die Grafik und die Anlehnung an wissenschaftliche Erkenntnisse sehr glaubwürdig. Wenn man nicht nur den Kauf des nächsten Raumschiffs im Blick hat, sondern auch mal andere Sachen ausprobiert und auf sich wirken lässt, kann man viel und lange Spaß mit Elite Dangerous haben. Ich kann das Spiel allen empfehlen, die Interesse an Astronomie und Raumschiffen haben und im Idealfall ein Joystick, Schubregler und optional ein VR-Headset besitzen.

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